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Schwere Unfälle und Überfälle werden von den Betroffenen in der Regel als Lebensbedrohung, zumindest aber als Bedrohung der körperlichen und seelischen Unversehrtheit wahrgenommen. In dieser Situation findet eine massive Aktivierung statt, die den Sinn hat, das eigene Überleben zu sichern. Das ist sinnvoll und bei allen Lebewesen so. Reaktionen, die dem Schutz des Lebens im Wege stehen könnten (Gefühle, Schmerzempfinden etc.), werden ausgeschaltet und alles, was dem Überleben dient, besonders stark aktiviert (Schärfung der Sinne, Anspannung der Muskulatur, Beschleunigung von Atmung und Herzfrequenz u.a.m.). Es gibt vier Reaktionstypen, die in solchen Situationen auftreten und die wir mit den Tieren gemeinsam haben: Kampf, Flucht, Erstarrung und Unterwerfung. Es ist nicht vorhersehbar, welche der Reaktionstypen ein Individuum in einer solchen Situation zeigt. Dies wird nicht vom Großhirn bewusst gesteuert, weil das bewusste Denken dafür viel zu langsam funktioniert. Stattdessen werden die Reaktionen direkt vom Mittelhirn aus gesteuert, wobei blitzschnell einer der Reaktionstypen aktiviert und in die Tat umgesetzt wird. Wenn das Individuum sich dem Angreifer überlegen fühlt, wird es kämpfen, ansonsten fliehen. Wenn es keinen Fluchtweg gibt, bleibt noch Erstarrung und Unterwerfung. In der Tierwelt verliert der Angreifer das Interesse, wenn das Opfer sich nicht mehr bewegt, und wenn es sich ergibt, wird eine Aggressionshemmung beim Gegner ausgelöst. In der zivilisierten Welt sind diese Reaktionen nicht immer sinnvoll. Vor einem heranrollenden Lastwagen zu erstarren schützt das Leben eher nicht.

Nach dem Überleben der bedrohlichen Situation spielen diese Reaktionen weiter eine Rolle. Alles, was an das Ereignis erinnert, löst diese Reaktionen und eine Aktivierung aus. Dies kann durch bewusste Willensanstrengung nicht  verhindert werden. Da diese Reaktionen sehr unangenehm sind, versucht das Individuum alles zu vermeiden, was diese Gefühle auslöst. Dies ist aber nicht durchgängig möglich, weil Gedanken, Erinnerungen und bestimmte Situationen die unangenehmen Reaktionen immer wieder hervorrufen. Es findet also in der Regel ein quälender Wechsel zwischen Aktivierung und Rückzug statt. Wenn dieser Prozess in Gang bleibt, führt dies zur Verarbeitung und Bewältigung des traumatischen Erlebnisses. Diagnostisch handelt es sich dabei um eine akute Belastungsreaktion, die nach ungefähr sechs Wochen beendet ist, ohne dass eine Behandlung notwendig wird.

In einigen Fällen findet aber keine spontane Heilung statt. Erfahrungsdaten sprechen von einem Drittel Spontanheilungen, einem Drittel behandlungsfähigen Symptomen und einem Drittel Chronifizierun­gen. Es gibt keine verwertbaren Hinweise darauf, auf welche Ursachen diese Unterschiede bei den einzelnen Betroffenen zurück zu führen sind. Deshalb kann man auch direkt nach dem Ereignis keinen Einfluss auf den Verlauf der Symptomatik nehmen. Versuche dieser Art haben eher zu  Verschlimmerungen geführt. Im Grunde ist direkt nach dem Ereignis nur eine behutsame Begleitung des weiteren Verlaufs möglich mit Gesprächs- und Unterstützungsangeboten.  Wenn die Symptomatik anhält und sich innerhalb der ersten Wochen nicht bessert, ist eine gezielte traumaspezifische Behandlung erforderlich. Nach meinen Erfahrungen kann die Symptomatik chronifizieren, wenn zu diesem Zeitpunkt keine Behandlung erfolgt. Ein Grund für die Chronifizierung ist eine umfassende Vermeidung von Situationen, Gedanken und Gefühlen, die an das Ereignis erinnern. Dies kann in der Folge zu einer zunehmenden Einschränkung des Bewegungsspielraums und damit einem massiven Verlust an Lebensqualität führen, was auch das Risiko einer depressiven Entwicklung erhöht.

Behandlungsbedürftige Trauma-Folgestörungen sind die Posttraumatische Belastungsstörung mit den Leitsymptomen Übererregung, Intrusionen („der Film läuft ständig ab“, Alpträume) und Vermeidung, Angststörungen (phobische Angst vor der Situation, in der das Ereignis stattgefunden hat wie z.B. die Angst vorm Autofahren nach einem Unfall) und Anpassungsstörungen, d.h. Schwierigkeiten, das Erlebte  in das Leben zu integrieren, mit Symptomen von Angst, Depressivität oder Störungen des Sozialverhaltens.